Malka Lee. Jahr, Ort und Fotograf:in unbekannt. Quelle.
Ein Abend gewidmet der Poetin Malka Lee (1904—1976), eine der profiliertesten Stimmen der jiddischen Moderne. Die zeitgenössischen jiddischen Dichterinnen Katerina Kuznetsova und Yael Merlini stellen Malka Lees bemerkenswerte Lebensgeschichte vor — von ihren Anfängen in einem ukrainischen Shtetl bis zu ihren schöpferischen Jahren in New York — und zeichnen den Weg ihres literarischen Werdens nach.
Veranstaltung in englischer und jiddischer Sprache.
Gruppenfoto des Syndikalistischen Frauenbunds. Milly rechts im Hintergrund, mit halbverdecktem Gesicht. Jahr und Fotograf:in unbekannt. Archiv Klaus Decker.
Im Berlin der zwanziger Jahre liefen bei Milly Witkop und Rudolf Rocker viele Fäden der internationalen und deutschen anarcho-syndikalistischen Bewegung zusammen. Eng verbunden waren sie mit Emma Goldman sowie Zenzl und Erich Mühsam. Milly engagierte sich sehr für den Syndikalistischen Frauenbund, dessen innerstädtische Berliner Gruppe sie zeitweise leitete. Ab 1926 war sie Sekretärin der Berliner Gruppe des Hilfskomitees der Internationalen Arbeiter Assoziation für inhaftierte Anarchisten und Anarcho-Syndikalisten in Russland. Wir zeichnen in diesem Vortrag ihr Engagement nach und lassen sie selbst mit ihren Artikeln und Aufrufen zu Wort kommen.
Ein Vortrag mit Lesung des Arbeitskreises Geschichte und Zukunft der FAU.
Mit der von Arndt Beck initiierten kollektiven künstlerischen Forschung ehrt YIDDISH BERLIN eine außergewöhnliche Persönlichkeit: Die Feministin und anarchistische Aktivistin Milly Witkop (1877—1955).
Mit einem kleinen Lesekreis machte sich Beck im Frühjahr auf die Suche nach Millys Spuren in jiddischen Archiven, nun folgt eine kollektive Ausstellung, die in Audio, Zeichnung, Text, Mail Art, Collage, usw. Millys Leben befragt, ehrt und sichtbar macht, außerdem begleitet von einer Veranstaltungsreihe (siehe weiter unten).
Milly wurde als älteste von vier Töchtern in eine arme, frume Schneiderfamilie im ukrainischen Zlatopil geboren. 17-jährig siedelte sie alleine nach London über und wurde bald Teil der Gruppe um die jiddisch-anarchistische Zeitung arbeterfraynd und eine der führenden Aktivist:innen der jüdischen Arbeiter:innenbewegung im London der Nuller- und 10er Jahre.
Milly erlebte in England bewegte, kämpferische Zeiten, Gefängnis und erneute Migration; sie verbrachte die Weimarer Jahre in Berlin und prägte den Syndikalistischen Frauenbund, flüchtete unmittelbar nach dem Reichstagsbrand über die Schweiz in die USA, wo sie bis zum Ende ihres Lebens in der Nähe von New York lebte.
Pünktlich zum 70. Todestag verneigen wir uns vor einem Leben im politischen Kampf für eine gerechte, humane Welt.
24.11. — 2.12.2025 täglich ab 11 Uhr
Eröffnung: 23.11.2025, 16 Uhr
Mit einer Audio-Präsentation von studio lärm und Anna Rozenfeld, einer szenischen Lesung von Yossi Lampel, Guli Dolev-Hashiloni, Arndt Beck und Musik von Zhenja Oks.
Sowie kollektiven und individuellen künstlerischen Arbeiten von Yael Merlini, Zuzanna Hertzberg, Ori Tor und anderen.
Obwohl yiddish.berlin in letzter Zeit als offizielle (oder besser gesagt, sehr inoffizielle) Gruppe weniger aktiv erschien, ist Berlins dezentrale, jiddische DIY-Community lebendiger denn je.
Es gibt eine ganze Reihe von wichtigen “jiddischen” Veranstaltungen in der Stadt:
13. April – PARATAXE Symposium XIV: Hebräisch? Jiddisch? Berlin? Dieses Symposium in der Kulturbrauerei widmet sich der jiddischen und hebräischen Literatur in Berlin, in Vergangenheit und Gegenwart. Die jiddische Szene steht im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion um 16 Uhr und ist auch bei der abendlichen Lesung um 20 Uhr mit Gedichten und Musik vertreten.
14. April – Haus für Poesie: für dich, wer immer du bist: Jiddische Poesie. Diese von Jordan Schnee kuratierte Lesung bringt die zeitgenössischen jiddischen Dichter:innen David Omar Cohen (Amsterdam) und Beruriah Wiegand (London/Oxford) mit Musik von Daniel Kahn (Hamburg) und textbasierter visueller Kunst von Ella Ponizovsky Bergelson (Berlin) zusammen.
24. bis 28. April – Das Festival Shtetl Berlin 2024! Save the dates. Weitere Informationen zu diesem wiederkehrenden Wirbelwind jiddischer Musik und Kultur gibt es demnächst auf der Website. In der Zwischenzeit finden die nächsten Klezmer-Jamsessions im Oblomov am 13. März und 11. April statt, sowie ein jiddisches Singalong am 27. März.
Außerdem gibt es einige aktuelle Informationen über die Entwicklungen in der lokalen jiddischen Community:
Der jiddische Gesprächskreis Shmues un Vayn wurde kürzlich im englischen Teil des Forverts vorgestellt, der Titel lautete: “You can now hear people speaking Yiddish in bars all over Berlin“. Das mag vielleicht noch nicht ganz stimmen, aber wir sind auf dem besten Weg dahin, da wir uns unserem 50. Treffen nähern. Der Gabbai von Shmues un Vayn, Jake Schneider, gab im Januar einen Workshop über die Gründung und Wahrung solcher Kreise, der von KlezCalifornia veranstaltet wurde (die Aufzeichnung ist auf hier verfügbar). Er gab auch ein Interview für den Podcast Proste Yiddish in, nun ja, einfachem Jiddisch.
Ein neuer, von Katerina Kuznetsova koordinierter Poesiekreis, der jiddische Gedichte schreibt, trifft sich nun alle zwei Wochen, um die neuesten Gedichte ihrer Mitglieder zu besprechen, die sie etwa beim Londoner Yiddish Open Mic Cafe, bei einer vom Leivik-Haus organisierten Lesung zum Gedenken an Moyshe Dovid Guiser und wer weiß wo vortragen.
Der langjährige wöchentliche Lesekreis, koordiniert von Arndt Beck, widmet sich nach wie vor unserem Berliner zeyde Avrom Nokhem Stencl. Die Teilnehmer lesen nicht nur jeden Sonntag seine Gedichte, sondern übersetzen auch Stencls Lyrik und Prosa in verschiedene Sprachen.
Eine neue Initiative ist im Gange, um eine Minibibliothek mit Büchern in und über Jiddisch einzurichten, das Berliner Tshemodan-Bibliotekl (die kleine Berliner Kofferbibliothek). Nach einer spontanen Spendenaktion (hier kann noch immer gespendet werden) reisten drei von uns nach Hamburg zu einem Verkauf jiddischer Bücher durch die Salomo-Birnbaum-Gesellschaft. Wir kehrten tatsächlich mit einem Koffer voller jiddischer Bücher nach Hause zurück. Mehr Informationen über die Bibliothek demnächst.
Der Internationale Frauentag ist für uns ein wichtiger Feiertag. Dieses Jahr wollen wir die Werke von Frauen ehren, die seit dem Mittelalter jiddische Literatur geschaffen haben.
Wir werden Werke berühmter jiddischer Dichterinnen wie Kadya Molodowsky, Celia Dropkin und Rokhl Korn vortragen, aber auch die weniger bekannter Autorinnen.
Wir konzentrieren uns aber nicht nur auf die Vergangenheit! Deshalb hören Sie im zweiten Teil zeitgenössische Werke von Berliner Jiddischistkes: Gedichte, Musik und Übersetzungen.
Mit:
Luise Fakler | Sandra Israel-Niang | Katerina Kuznetsova | Sasha Lurje | Yael Merlini | Rose Mintzer-Sweeney | Maria Stazherova | Ro van Wingerden | Iryna Zrobok
Geschichte wird von den Machthabenden geschrieben. Aber was passiert, wenn die Machtlosen darauf bestehen, die eigenen Erfahrungen zu bewahren und zu interpretieren: sie in geheimen Zusammenkünften teilen, sie in Untergrundzeitungen veröffentlichen und Sammlungen in Milchkannen vergraben, damit die Überlebenden sie lesen können? Was bedeutet es, kollektive und schöpferische Berichte in einer Sprache zu schreiben, zu der es weder Flotte noch Armee gibt? Was macht unsere Geschichten zu Geschichte?
Yiddish Guerrilla Histories wird einige dieser trotzigen Erinnerungakte zwischen 1914 und 2023 ausgraben und übersetzen, darunter Gedichte, Lieder und Erzählungen, um sie mit einem vertrauenswürdigen Publikum zu teilen.
Lesung und Vortrag in englischer und (übersetzter) jiddischer Sprache.
—
Als besondere Gäste mit dabei sind Sarah Silberstein Swartz und Zohar Weiman-Kelman, ebenso wie die Yiddish-Berliner:innen Guli Dolev-Hashiloni, Michaela Kobsa-Mark, Katerina Kuznetsova, Jake Schneider, Ro van Wingerden und Janina Wurbs.
Mit den Texten der jiddischen Autor:innen Rokhl Oyerbakh, Anna Margolin, Malka Lee, Leyb Kvitko, Irena Klepfisz, Yente Mash und Chava Rosenfarb, sowie ein wenig Musik.
Ein Projekt von yiddish.berlin, kuratiert von Jake Schneider.
28. Mai, 19:30 bis 21:30 Uhr 01. Juni, 20 bis 22 Uhr 22. Juni, 20 bis 22 Uhr
“Besuche Berlins Jiddischland!”: Führungen im Dämmerlicht durchs Berliner Scheunenviertel mit Jake Schneider, mit Musik und Familiengeschichten. Für weitere Infos und zur Teilnahme bitte Mail an jakeschneiderberlin [at] gmail.com.
Ist denn schon wieder Khanike? Nein, erstmals findet das legendäre und geliebte Festival unserer Freund:innen von SHTETL BERLIN im Frühjahr statt. Verpasst nicht den Auftakt, die 95. Neuköllner Klezmer Session, verpasst nicht Shabes in Shtetl (unter Beteiligung von yiddish.berlin). Nehmt an den Workshops teil, tanzt bei Tantshoyz biz in vaysn tog arayn und kriecht am nächsten Tag für den ersten Shtetl Pub Crawl wieder aus den Betten. Und das ist nur die beste Vorbereitung für das große Festival Finale. Seid dabei!
Cover des Skizzenbuchs zu A.N. Stencl von Rachel Lichtenstein
Mit einem gemischten Programm von und über Avrom Nokhem Stencl stellt yiddish.berlin erste Eindrücke von der Beschäftigung mit Stencls Berliner Schaffensperiode vor. Mit Stencl schlendern wir durch Berliner Obdachlosenasyle der 20er Jahre, hören seine Gedichte, auch in einigen Neuübersetzungen, erfahren von Anekdoten aus seinem Leben und hören erstmals einige Passagen aus Rachel Lichtensteins noch unveröffentlichtem Buch über den Dichter. Ein Abend in jiddischer, englischer und deutscher Sprache. Mit dabei:
Arndt Beck | Horst Bernhardt | Hilde Haberland | Rachel Lichtenstein | Jordan Lee Schnee | Jake Schneider
Noch ehe sich yiddish.berlin 2019 als Gruppe formierte, gab es schon jahrelang in Berlin einen jiddischen Lesekreis, der von Tal Hever-Chybowski in der polnisch-deutschen Buchhandlung BUCH|BUND etabliert wurde, nach seinem Weggang von Ilay Halpern weitergeführt und schließlich Ende 2016 von Arndt Beck übernommen wurde. Bis 2020 traf sich fast jeden Sonntag eine kleine Gruppe von Jiddischsprachler:innen, die gemeinsam vor allem jiddische Prosa unterschiedlichster Autor:innen las und diskutierte.
Nach einer pandemischen Unterbrechung trifft sich der Lesekreis seit einiger Zeit wieder, nun jeden Sonntag in der Galerie ZeitZone. Zuletzt befasste sich die Gruppe mit dem Berliner Werk von Avrom Nokhem Stencl.
Anlässlich der Ausstellung zu Avrom Nokhem Stencl gibt es nun erstmals und einmalig die Gelegenheit, dem Lesekreis auch ohne jiddische Sprachkenntnisse als Gast und Zuhörer:in beizuwohnen. Aber mehr noch sind Jiddischsprachler:innen aller Niveaus dazu aufgerufen, sich lesend und diskutierend zu beteiligen.
Gelesen und besprochen wird Stencls Langgedicht “Oyfn rog” (An der Ecke), das er noch 1935 in Berlin publizierte und welches, wie der größte Teil von Stencls Berliner Werk, bisher in keine andere Sprache übertragen wurde. Leseexemplare werden vor Ort vorhanden sein, wer gut vorbereitet kommen möchte (was nicht notwendig ist), kann hier schon einen Blick darauf werfen: