28. Mai: Die jiddische Enzyklopädie kehrt zurück nach Berlin

Eine Buchpräsentation mit dem Historiker Barry Trachtenberg

Wir freuen uns auf eine Buchpräsentation mit dem Historiker Dr. Barry Trachtenberg. Trachtenberg ist Dozent für Jüdische Geschichte bei Wake Forest University und Autor der neuen Monographie The Holocaust and the Exile of Yiddish: A History of the Algemeyne Entsiklopedye (Rutgers University Press). Seine Studie folgt den Spuren eines in Berlin der frühen 1930er Jahre begonnenen Projekts mit dem ambitionierten Ziel, eine umfassende Enzyklopädie von Allgemeinwissen komplett auf jiddischer Sprache herauszugeben. Dieser Traum änderte sich drastisch innerhalb weniger Jahre, als die Redakteure vor der NS-Herrschaft fliehen mussten, während ihr osteuropäisch-jüdisches Lesepublikum durch Genozid dezimiert, durch Massenmigration in alle Welt verstreut und durch kulturelle Assimilation verwässert wurde.

Mitte des 20. Jahrhunderts kam es in jüdischen kulturellen und politischen Kreisen zu heftigen Auseinandersetzungen um das Projekt: Welchen Zwecken sollte eine jiddischsprachige Enzyklopädie dienen? Welches Wissen, welche Perspektiven sollten darin enthalten sein? Bis die letzten Bände in den 1960er Jahre in New York erschienen, hatten die Verhältnisse der Nachkriegszeit sowohl die jiddische Welt als auch die Enzyklopädie selbst vollständig verändert. Nach Trachtenbergs Sicht handelt es sich bei dieser Geschichte nicht nur um Zerstörung und Trauma, sondern auch um Beharrlichkeit und Fortbestand: Die Herausgeber strebten danach, das Erbe der jiddischen Kultur zu bewahren, ihre beinahe komplette Vernichtung in der Shoah zu dokumentieren und schließlich ihren Weg in die Zukunft zu weisen.

Diese englischsprachige Buchpräsentation mit Barry Trachtenberg wird moderiert von Jake Schneider von YIDDISH BERLIN. Publikumsfragen sind willkommen – und gerne auch auf Jiddisch oder Deutsch. Die Veranstaltung begleitet die aktuelle YIDDISH BERLIN-Ausstellung mageyfe | milkhome | mame-loshn, die in der Galerie zu sehen wird. Gezeigt werden Arbeiten von Ella Ponizovsky Bergelson, Arndt Beck, und Helmut J. Psotta.

Weitere Infos zum Buch

  • 28. Mai 2022, 19 Uhr
  • Galerie Zeitzone, Adalbertstraße 79, 10997 Berlin
  • Eintritt frei
  • Buchpräsentation und Diskussion auf Englisch, Fragen auf Jiddisch und Deutsch sind willkommen
  • Einige Exemplare des Buchs stehen zum Verkauf bereit

Facebook-Seite zur Veranstaltung

Photo of Barry Trachtenberg

Barry Trachtenberg hält den Rubin Presidential Chair of Jewish History an der Wake Forest University in North Carolina (USA). Er ist der Autor von The Revolutionary Roots of Modern Yiddish, 1903-1917 (2008) und The United States and the Nazi Holocaust: Race, Refuge, and Remembrance (2018).

26. Mai: Shmues un Vayn 7 – Jiddischer Gesprächskreis

Unser jiddischer Gesprächs- oder besser Shmueskrayz, wurde zu Beginn des Jahres lanciert und trifft sich seitdem ein bis zweimal im Monat in Bars oder privat. Unsere Zusammenkünfte sind ungezwungen und unstrukturiert und unsere Gespräche folgen ihrem eigenen natürlichen Verlauf. Einzige Regel ist, dass wir die ganze Zeit Jiddisch sprechen. Interessierte Jiddischsprachige jeglichen Niveaus sind eingeladen, mit uns in Kontakt zu treten, um über zukünftige Treffen informiert zu werden.

Während der Ausstellung mageyfe | milkhome | mame-loshn öffnen wir das siebte Treffen der Gruppe für die Öffentlichkeit. Jiddischsprechende aller Niveaus sind eingeladen auch spontan zu unserem Shmueskrayz zu erscheinen.

26. Mai 2022, 19 Uhr

Galerie Zeitzone
Adalbertstr. 79
10997 Berlin-Kreuzberg

21. Mai: Lider mayne, dumes mayne // Думи мої, думи мої – Yiddish-Ukrainian Literary Connections

Image designed by Iryna Zadnipriana
Image designed by Iryna Zadnipriana

Dieser Tage erscheint es uns besonders wichtig, Bewusstsein zu schaffen für die ukrainische Kultur, Literatur und Sprache. Wir sind Jiddischist:innen und unser Beitrag zu dieser Sache ist es, über jiddisch-ukrainische Beziehungen, gegenseitige Einflüsse und literarisch-kulturelle Verwebungen zu sprechen.

Als Sprachen haben Jiddisch und Ukrainisch vieles gemeinsam. Beide leiden noch immer unter Missachtung und Stereotypen, oft abqualifiziert als “keine richtigen Sprachen” sondern Dialekte des vorherrschenden Deutsch und Russisch. Die Haltung gegenüber den beiden Sprachen spiegelt kulturelle und politische Unterdrückung.

Bei unserer Veranstaltung verleihen wir jiddischen und ukrainischen Dichter:innen des 19. und 20. Jahrhunderts unsere Stimmen, indem wir sie in Original und Übersetzung lesen. Der erste Teil konzentriert sich auf die ukrainischen Klassiker: Taras Schewtschenko, Iwan Franko und Lessja Ukrajinka. In den 1930er Jahren übersetzte Dovid Hofshteyn, Poet der jiddischen Moderne, geboren in der Ukraine, ihre Werke ins Jiddische. Dieses Projekt war mehr als eine einfache Übersetzung. Hofshteyn fand einen Weg, seine eigenen Ideen zu nationaler Identität und Entfremdung durch die Werke der ukrainischen Dichter:innen auszudrücken.

Der zweite Teil der Veranstaltung bindet zum einen Werke von Leyb Kvitko ein, übersetzt vom berühmten ukrainischen Dichter Pawlo Tytschyna, zum anderen auch jiddische modernistische Poesie von Frauen, etwa Debora Vogel. Als besonderen Gast begrüßen wir die ukrainische Jiddischistin Iryna Zrobok, in Lviv geborene Übersetzerin aus dem Jiddischen und Deutschen ins Ukrainische, die ihr Projekt über jiddische Dichterinnen vorstellt.

Organisiert und veranstaltet von Katerina Kuznetsova.

Teilnehmer:innen:

Katerina Kuznetsova, Sofya Chernykh, Dina Gidon, August Kahn, Alina Klimanska, Boris Shavlov, Jake Schneider, Iryna Zadnipriana, Iryna Zrobok


Reader zur Veranstaltung (pdf)


21 Mai 2022, 19 Uhr

Galerie Zeitzone
Adalbertstr. 79
10997 Berlin-Kreuzberg

Die Sprache der Veranstaltung ist Englisch, mit Gedichten in Jiddisch und Ukrainisch. Ein Heft mit allen Texten, inkl. englischer Übersetzungen, wird vorhanden sein.

Eintritt frei, Spenden erwünscht.

Facebook

Diese Veranstaltung ist Teil der Ausstellung “mageyfe | milkhome | mame-loshn” (20. Mai – 1. Juni 2022), in der Werke von Helmut J. Psotta, Ella Ponizovsky Bergelson und Arndt Beck zu sehen sein werden.

8. März: YIDDISH BERLIN liest Jiddische Dichterinnen

8. März: YIDDISH BERLIN liest Jiddische Dichterinnen

Aufgrund des Krieges in der Ukraine, der uns alle zutiefst berührt, sehen wir uns genötigt, den Fokus unserer Veranstaltung zum Internationalen Frauentag anzupassen. Viele unserer jiddischen Dichterinnen sind in der Ukraine geboren oder haben dort gelebt. Wir werden über ihre Erfahrungen mit Krieg, Invasion und Vertreibung sprechen und dabei die Bezüge zur Ukraine betonen. Wir, YIDDISH BERLIN, sind uns einig in der Unterstützung aller in der Ukraine lebenden Menschen, und wir werden diese Veranstaltung als Gelegenheit nutzen, um das historisch-kulturelle Bewusstsein für die Ukraine zu schärfen.

Bei der Veranstaltung sammeln wir Spenden, um Medikamente für die notleidenden Menschen in der Ukraine zu beschaffen.

Das Programm umfasst außerdem Rezitationen von Gedichten und musikalische Darbietungen der Autorinnen:

Marina Alexeeva | Rivka Basman Ben-Hayim | Celia Dropkin | Irena Klepfisz | Rokhl H. Korn | Anna Margolin | Kadia Molodowsky | Miriam Ulinover | Debora Vogel

Unter Beteiligung von:

Arndt Beck | Patrick Farrell | Hilde Haberland | Sveta Kundish | Katerina Kuznetsova | Anna Rozenfeld | Jordan Lee Schnee | Jake Schneider | Maria Stazherova

Dienstag, 8. März, 18 Uhr

PANDA platforma
(KulturBrauerei)
Knaackstr. 97
10435 Berlin

Eintritt frei

Die Veranstaltung wird auch als Livestream zu verfolgen sein:
https://panda-platforma.berlin/yiddishberlin-livestream

Reader zur Veranstaltung (pdf)

Veranstaltung auf Facebook

Gefördert von der Ursula Lachnit-Fixson Stiftung

The Poets of Raysn

Meyshe Kulbak (l.) und Izi Kharik (r.). Fotos (Kulbak): Eliot Gordin Levitan (via Forward); (Kharik): yleksikon

Am 31. Oktober 2021, 15 Uhr, sind alle Berliner Jiddisch-Liebhaber*innen und Enthusiast*innen jüdischer Literaturen herzlich eingeladen. YIDDISH BERLIN erinnert an zwei bedeutende jiddische Dichter.

Am 29. Oktober 1937 wurden Meyshe Kulbak und Izi Kharik liquidiert. Sie gehörten zu den ersten jüdischen Schriftsteller*innen, die den stalinistischen Säuberungen zum Opfer fielen.

Kulbak und Kharik wurden beide in Belarus, jiddisch Raysn, geboren, verbrachten große Teile ihres Lebens ebenda und wurden ebenfalls dort ermordet. Heimat und die Suche danach, sowie das Spannungsfeld zwischen Shtetl und Großstadt sind die Themen, die für beide Dichter von zentraler Bedeutung waren.

Wenngleich ihre Leben und ihre Literatur ganz unterschiedliche Verläufe nehmen, so eint sie doch mehr als der gemeinsame Todestag.

YIDDISH BERLIN liest Prosa und Gedichte von Kulbak und Kharik (auf Jiddisch), verbunden mit biografischen Erzählungen der Dichter (auf Englisch).

Mit unserer Veranstaltung möchten wir das große literarische Erbe ehren und gleichzeitig die unsterbliche jiddische Kultur feiern.

Sonntag, 31. Oktober 2021, 15 Uhr, Berlin (die genaue Adresse gibt es nach der Registrierung).

In Kooperation mit Base Hillel Deutschland

Nacht der ermordeten Dichter: Nachklang

Am 14. August 2021 fand zum vierten Mal unser jährliches Gedenken an die Liquidation des Jüdischen Antifaschistischen Komitees am 12. August 1952 statt. Der Garten der NOVILLA bot uns einen adäquaten Rahmen und auch das Wetter spielte mit. Alle, die nicht da sein konnten, können hier mit dem Audiomitschnitt und Fotografien von Tanja Katharina Lindner den Abend nachklingen lassen.

Für die Unterstützung danken wir den moving poets, der Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung, der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und DRAUSSENSTADT.

„Nacht der ermordeten Dichter: Nachklang“ weiterlesen

14. August: YIDDISH BERLIN DERMONT: Nacht der ermordeten Dichter

Nacht der ermordeten Dichter, Design: Ella Ponizovsky Bergelson

Seit 2018 erinnert YIDDISH BERLIN jährlich an die Liquidation des Jüdischen Antifaschistischen Komitees am 12. August 1952 in den Kellern der Moskauer Lubjanka. Als NACHT DER ERMORDETEN DICHTER erlangte dieses Ereignis auch deshalb traurige Berühmtheit, da sich unter den Hingerichteten fünf bedeutende jiddische Dichter befanden: Dovid Bergelson, Itsik Fefer, Dovid Hofshteyn, Leyb Kvitko und Perets Markish.

In diesem Jahr möchten wir mit einer Lesung aus den Prozessprotokollen (in deutscher, russischer und englischer Sprache), mit jiddischer Poesie, Musik und Performance an dieses Ereignis erinnern.

Beck | Bernhardt | Haberland | Kuznetsova | Ponizovsky Bergelson | Rozenfeld | Schnee | Sorek | Stazherova

14. August 2021, 20 Uhr
Eintritt frei

NOVILLA (Draußen)
Hasselwerderstr. 22
12439 Berlin-Schöneweide

Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa durch die Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung im Rahmen der Initiative DRAUSSENSTADT.

טאָג־פֿיגורן: דבֿורה פֿאָגעל אין בערלין (III)

Tog-figurn: Debora Vogel in Berlin (III)

Ella Ponizovsky Bergelson, Present Figures III, 2021. Foto: Arndt Beck

Nach Reinickendorf und Tempelhof nun also ein ausführlicher Bildbericht zum dritten und letzten Teil von Ella Ponizovsky Bergelsons Murals Present Figures — diesmal in Spandau.

„טאָג־פֿיגורן: דבֿורה פֿאָגעל אין בערלין (III)“ weiterlesen