14. August: YIDDISH BERLIN DERMONT: Nacht der ermordeten Dichter

Nacht der ermordeten Dichter, Design: Ella Ponizovsky Bergelson

Seit 2018 erinnert YIDDISH BERLIN jährlich an die Liquidation des Jüdischen Antifaschistischen Komitees am 12. August 1952 in den Kellern der Moskauer Lubjanka. Als NACHT DER ERMORDETEN DICHTER erlangte dieses Ereignis auch deshalb traurige Berühmtheit, da sich unter den Hingerichteten fünf bedeutende jiddische Dichter befanden: Dovid Bergelson, Itsik Fefer, Dovid Hofshteyn, Leyb Kvitko und Perets Markish.

In diesem Jahr möchten wir mit einer Lesung aus den Prozessprotokollen (in deutscher, russischer und englischer Sprache), mit jiddischer Poesie, Musik und Performance an dieses Ereignis erinnern.

Beck | Bernhardt | Haberland | Kuznetsova | Ponizovsky Bergelson | Rozenfeld | Schnee | Sorek | Stazherova

14. August 2021, 20 Uhr
Eintritt frei

NOVILLA (Draußen)
Hasselwerderstr. 22
12439 Berlin-Schöneweide

Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa durch die Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung im Rahmen der Initiative DRAUSSENSTADT.

טאָג־פֿיגורן: דבֿורה פֿאָגעל אין בערלין (III)

Tog-figurn: Debora Vogel in Berlin (III)

Ella Ponizovsky Bergelson, Present Figures III, 2021. Foto: Arndt Beck

Nach Reinickendorf und Tempelhof nun also ein ausführlicher Bildbericht zum dritten und letzten Teil von Ella Ponizovsky Bergelsons Murals Present Figures — diesmal in Spandau.

„טאָג־פֿיגורן: דבֿורה פֿאָגעל אין בערלין (III)“ weiterlesen

טאָג־פֿיגורן: דבֿורה פֿאָגעל אין בערלין

Tog-figurn: Debora Vogel in Berlin

Ella Ponizovsky Bergelson, Present Figures I, 2021. Foto: Arndt Beck

Zugegeben: BZ war schneller. Mit dem Projekt Present Figures schreibt sich Ella Ponizovsky Bergelson erneut eindrucksvoll dem Berliner Stadtraum ein und lässt sich diesmal von der jiddisch-polnischen Philosophin und Poetin Debora/Dvoyre Vogel inspirieren. Berliner_innen aller Länder: zum Kunstgenuß auf nach Reinickendorf! Und das ist erst der Auftakt: in schneller Folge entstehen alsbald zwei weitere Murals.

„טאָג־פֿיגורן: דבֿורה פֿאָגעל אין בערלין“ weiterlesen

DI FARBLOYTE FEDER 2 | Von Rozenfeld bis Kalderon

20. Januar 2020

Vos iz mer vi lebn? Ein Poesieabend von Anna Rozenfeld, am 10. Todestag von Avrom Sutzkever. Und viele weitere Bilder.

Vos iz mer vi lebn? Anna Rozenfeld und Arndt Beck, Foto: __________
Anna Rozenfeld und Arndt Beck, Foto: __________
Anna Rozenfeld, Foto: __________

22. Januar 2020

New Yiddish Song mit Sveta Kundish & Patrick Farrell.

Sveta Kundish, Foto: Tanja Katharina Lindner
Patrick Farrell, Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Arndt Beck

25. Januar 2020

Dreisprachige Lesung von Avrom Sutzkevers Langgedicht Ode tsu der toyb mit Arndt Beck, Horst Bernhardt und Jordan Lee Schnee.

Jordan Lee Schnee, Horst Bernhardt, Arndt Beck, Foto: Hilde Haberland

27. Januar 2020

Der Tel-Aviver zeyde: Lihi Nagler im Gespräch mit Avrom Sutzkevers Enkeltochter Hadas Kalderon.

Lihi Nagler und Hadas Kalderon, Foto: Arndt Beck
Hadas Kalderon, Foto: Arndt Beck
Blick ins Publikum, Foto: Arndt Beck
Foto: Arndt Beck
Arndt Beck, Lihi Nagler und Hadas Kalderon, Foto: Hilde Haberland
Nach dem Gespräch, Foto: Arndt Beck

29. Januar 2020

Finissage mit Überraschungen.

Horst Bernhardt spricht für den Khaloymes-Chor, Foto: Arndt Beck
Der Khaloymes-Chor, Foto: Arndt Beck
Hilde Haberland spricht, Foto: Arndt Beck

DI FARBLOYTE FEDER 2 | Lekoved

19. Januar 2020

YIDDISH BERLIN Lekoved Avrom Sutzkever: eine Bildstrecke der gemeinsamen Veranstaltung am Vorabend des 10. Todestags des großen Dichters.

Lekoved Avrom Sutzkever, Foto: Arndt Beck
Blick ins Publikum, Foto: Tanja Katharina Lindner
Patrick Farrell, Foto: Tanja Katharina Lindner
Rechts: Arndt Beck liest, Foto: Tanja Katharina Lindner
Anna Rozenfeld, Foto: Tanja Katharina Lindner
Elisabeth Landenberger, Foto: Tanja Katharina Lindner
Hilde Haberland und Patrick Farrell, Foto: Tanja Katharina Lindner
David Omar Cohen, Foto: Tanja Katharina Lindner
Hilde Haberland, Foto: Tanja Katharina Lindner
Elisabeth Landenberger, Foto: Tanja Katharina Lindner
Sveta Kundish, Foto: Tanja Katharina Lindner
Arndt Beck, Foto: Tanja Katharina Lindner
Irad Ben Isaak, Foto: Tanja Katharina Lindner
Anna Rozenfeld, Foto: Tanja Katharina Lindner
Ekaterina Kuznetsova, Foto: Tanja Katharina Lindner
Charles Green, Foto: Tanja Katharina Lindner
Horst Bernhardt, Foto: Tanja Katharina Lindner

DI FARBLOYTE FEDER 2 | Eröffnung

Etappenweise nun ein fotografischer Nachklang unserer Ausstellung mit Veranstaltungsreihe zum 10. Todestag von Avrom Sutzkever. Zunächst: Vorbereitung der Ausstellung und Eröffnung.

Material, Vorbereitung der Ausstellung, Foto: Arndt Beck
Noch mehr Material, Foto: Arndt Beck
Ella Ponizovsky Bergelson bei der Arbeit, Foto: Arndt Beck
Ella Ponizovsky Bergelson, Foto: Arndt Beck
Die Arbeit –Minenfeld– entsteht, Foto: Arndt Beck
Wandschrift im Innenteil, Foto: Arndt Beck
Helmut J. Psotta, –Tauben–, 1962, Foto: Arndt Beck
Blick auf die Serie –Der Vater– von Arndt Beck, 2018, Foto: Tanja Katharina Lindner
Eröffnung, Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Ella Ponizovsky Bergelson, –Minenfeld–, 2020, Foto: Tanja Katharina Lindner
Foto: Tanja Katharina Lindner
Arndt Beck, Foto: Tanja Katharina Lindner
Links: –Das Hakenkreuz– von Bernd Kramer, Jahr unbekannt, Foto: Tanja Katharina Lindner

Yiddish Berlin: Lekoved Avrom Sutzkever

Ausstellung und Veranstaltungprogramm zum 10. Todestag von Avrom Sutzkever

Helmut J. Psotta, Engel der Poesie, Santiago de Chile 1964

Bereits im Januar tritt die von Ella Ponizovsky Bergelson und Arndt Beck intiierte Ausstellungsreihe DI FARBLOYTE FEDER zu ihrer zweiten Auflage an. Anlaß ist der 10. Todestag des großen jiddischen Dichters Avrom Sutzkever (1913 — 2010). Den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen macht die Ausstellungseröffnung am 17. Januar um 20 Uhr. Außer den genannten mit dabei: Werke von Helmut J. Psotta und Bernd Kramer.

Es lohnt sich ein genauer Blick in das Programm, welches noch nicht endgültig feststeht, aber schon einige Höhepunkte aufzuweisen hat: Etwa den Gedenkabend am 19. Januar, das Konzert mit Sveta Kundish & Patrick Farrell am 22. Januar oder die Präsentation des Films Black Honey am 26. Januar.

Yom Kippur 5780

Aus gegebenem Anlaß. Wenngleich es niemandem hilft, keinen Trost spendet. Nicht in Halle, nicht in Rojava, nirgendwo. Und dennoch:

On Yom Kippur (the Day of Atonement), 1st October 1941, aktions took place in both [Vilna] ghettos. At noon, when the synagogues were full, Germans and Lithuanians under the command of the SS Officer Schweinberger entered Ghetto II, rounded up approximately 1,700 Jews and deported them to Lukiszki [prison]. In the afternoon Schweinberger turned to the Judenrat of Ghetto I and demanded 1,000 Jews by 7:30 that evening. When the Jews were not delivered to them, the Germans and Lithuanians entered the ghetto and began taking people from their homes. Schein holders and their families presented themselves at the gate with a sense that they were protected from deportation. The majority of those who did not have scheins hid. 2,200 people presented themselves at the gate and were taken to Lukiszki, among them schein holders. According to various sources up to 800 people were freed from Lukiszki by the German units and institutions that employed them. There were also Jews who were freed in exchange for bribes paid to the Germans and Lithuanians. The Yom Kippur Aktion increased the fear and uncertainty in the ghetto. It became clear that the »golden« schein did not buy safety for its holder.

[source]

Der Dichter Avrom Sutzkever beschreibt es in seinem Vilnaer-Ghetto-Bericht so:

Inzwischen erfuhr ich, daß der ganze Hof, wo meine Mutter gewohnt hatte, in das zweite Getto hinübergeworfen worden war. Ich beschloß, dort hineinzukommen und die Mutter herzuholen. Es war am Vorabend von Yom Kippur 1941. Ich ging mit einer Kolonne zur Arbeit in die Stadt und kehrte mit einer anderen Kolonne zurück, die im zweiten Getto übernachten würde.

Ich fand meine Mutter. Sie bereitete sich auf den Feiertag vor. Sie trug ein dunkles Kleid, das ich bis dahin noch nie bemerkt hatte. Von dem dunklen Kleid hob sich ihr grauer Kopf ab. Auch dieses Grau hatte ich zuvor nie bemerkt. Die Haare blendeten mich, sie leuchteten wie eine Krone.

Meine Mutter wollte nicht mit mir zurückgehen. Sie hatte schon keine Kraft mehr. Außerdem ist gleich Feiertag. Sie bereitet sich auf das Kol Nidre vor. Mir riet sie zurückzugehen. Dort, meinte sie, wäre es weiterhin sicherer. Hier bei ihr wären doch meistens Alte und Kinder. Sie zündete ein Licht an, segnete mich und ging zum Kol Nidre.

Ich lief hinaus durch die Gassen. Juden mit weißen Gewändern unter den Armen eilten in die Bethäuser. In allen Fenstern flämmelten Lichte. Vor allem der Synagogenhof war überfüllt. Man eilte in das chassidische Haus, in die große Synagoge und vor allem in Gaons Bethaus, als wäre es dort sicherer, daß die Gebete Gehör fänden.

Aus einem der Höfe hörte ich einen Gesang. Es erklangen jiddische Worte. Ich ging den Tönen nach. Sie führten mich die Treppe hinauf.

In einem langen, schmalen, fensterlosen Zimmerchen saß der Lehrer Gershteyn in einem Kreis von Kindern und sang mit ihnen das Lied des Dichters Perets: »Hoffe! Der Frühling ist nicht fern«. Gershteyn beendete den Gesang und umarmte mich herzlich. »Ihr seid hier?« »Ich bin gekommen, um Eurern Chor zu hören«, antwortete ich. Ich blickte auf seine Sänger, und meine Augen wurden naß. Er nahm die Kinder näher zusammen, stellte sie nach ihren Stimmlagen auf, und durch den Dachboden, über das Getto hin, über die ganze Welt erklang:

un zol vi vayt
nokh zayn di tsayt
fun libe un fun sholem, —
dokh kumen vet
tsi fri, tsi shpet
di tsayt, es iz keyn kholem.

Ganz gleich wie fern die Zeit der Liebe und des Friedens auch sei — sie wird kommen, früher oder später, sie ist nicht nur ein Traum.

Als ich mich aus dem zweiten Getto hinausgestohlen hatte, kam Schweinberger mit der hiesigen Ypatinga dorthin und begann seine Arbeit. Diesmal hatte er sich wieder etwas Neues ausgedacht. Er ging bei der Metzelei mit System vor: Einen Hof nahm er, den anderen ließ er aus. Doch es waren ihm zu wenig Menschen. Er kam, um eine bestimmte Zahl von Köpfen zu holen, und die Zahl mußte erfüllt werden, kein einziger mehr oder weniger. Schweinberger ging in die Bethäuser und führte die Juden in den weißen Gewändern und Gebetsmänteln zum Tod.

Er brachte Mandolinen und befahl zu spielen. Als Moyshe Frumkin, ein Bursche von 18 Jahren, ins Gefängnis gebracht wurde, stieß er einen Schrei aus:

»Laßt euch nicht wegführen! Lauft auseinander, lauft in die Straßen!« In der Menge entstand ein Tumult. Frauen warfen sich auf das Straßenpflaster und gingen nicht mehr weiter. Greise blieben versteinert stehen. Jugendliche liefen nach allen Seiten auseinander.

Schweinberger befahl zu schießen. Dutzende lagen tot, und die Lebenden mußten die Toten tragen. Trotzdem hatten beachtlich viele fliehen können, darunter auch der junge Frumkin.

Die endgültige Liquidierung des zweiten Gettos erfolgte am 28. November 1941.

nach: Abraham Sutzkever, Wilner Getto 1941 — 1944, Zürich 2009, S. 62ff. (hier mit kleinen Veränderungen der Übersetzung von Hubert Witt)

די צײַט — ניט קײן חלום — אַ קאָשמאַר